Das Waldviertel hat es geschafft. Nicht Glasfaser. Nicht autonomes Fahren. Aber einen waschechter Waldviertler, der „online“ Lebensmittel bestellt. Und zwar mutig. Radikal. Per WhatsApp-Nachricht an seine Ehefrau.
Kurz nach 07:14 Uhr Ortszeit erschütterte eine Nachricht die digitale Infrastruktur des Bezirks:
„Schatz niimm Brot Milch und Wurst mit?“
Experten sprechen bereits vom „iPhone-Moment des Jahrhunderts“. Andere nennen es schlicht das, was es ist: Ehe mit Datenvolumen.
Der Waldviertler Kunde als Visionär
Der 58-jährige Pionier, Michael – am Stammtisch kurz Michl genannt –, gelernter Maschinenschlosser, aktuell auf Arbeitssuche und bekennender „Ich brauch des Internet eh net“-Anhänger, hatte sich wochenlang vorbereitet. Er las die Verpackungsrückseite eines Smartphones. Er hörte seinem Neffen beim Wort „Cloud“ zu, ohne sofort die „Bunte Wahrheit“ nach etwaigen Raubüberfällen in der näheren Umgebung zu durchsuchen. Und schließlich wagte er den Schritt in den digitalen Handel.
Sein Endgerät: ein Samsung aus der Zeit, als WhatsApp noch als „dieses grüne Ding“ bekannt war.
Sein Warenkorb: drei Produkte.
Sein Lieferdienst: seine Frau, Silvia, 53, im örtlichen Billa.
Revolution mit Rechtschreibfehler
Die Bestellung selbst gilt inzwischen als historisches Dokument:
„nimm biete auch butter mit wen sie ned teuer is“
Kein Tracking. Kein Warenkorbsystem. Keine Empfehlung „Kunden kauften auch…“.
Nur Hoffnung. Und Tippfehler.
Laut Quellen im Umfeld des Paares verbrachte der Mann anschließend 27 Minuten damit, auf das blaue Häkchen zu starren, als wäre es ein Börsenticker. Als die Nachricht schließlich auf „Gelesen“ sprang, soll er leise „So“ gesagt und ein Bier geöffnet haben.
Digitalisierung macht durstig.
Der Handel reagiert nervös
Große Onlinehändler zeigen sich alarmiert. Ein Sprecher von Amazon erklärte, man beobachte „diese neue Form des sozialen E-Commerce mit Sorge“. Sollte sich das Modell durchsetzen, drohe eine Welle an Bestellungen über Familienchats, Freundesgruppen und verzweifelte Sprachnachrichten um 17:58 Uhr.
„Wenn Männer beginnen, ihre Frauen als Lieferketten zu benutzen, ist der Markt in Gefahr“, so der Sprecher, der anschließend Prime kündigte und seine Mutter anrief.
Die Lieferung
Um 18:41 Uhr traf die Bestellung ein. Persönlich. Ohne Karton. Ohne Rechnung. Ohne Mindestbestellwert. Ohne Versandkosten.
Dafür mit Vorwurf.
„Die Butter war teuer“, sagte Silvia.
„Ich hab eh geschrieben, nur wenn sie nicht teuer ist“, verteidigte sich Michl.
Der Konflikt gilt als erster dokumentierter Streit über fehlerhafte Onlinebestellung im ländlichen Raum ohne Internet.

Ausblick
Michl plant jedenfalls bereits den nächsten Schritt in Richtung Zukunft.
Gerüchten zufolge möchte er nächste Woche „Pizza bestellen“ – indem er seinem Sohn schreibt, der zufällig in der Nähe der „Pizzaria Mafioso“ wohnt.
Die Digitalisierung schreitet voran.
Langsam. Stolpernd. Mit viel Wurst.
Und irgendwo im Waldviertel sitzt ein Mann, schaut auf sein Handy und glaubt fest, Teil der globalen E-Commerce-Revolution zu sein.
Technisch korrekt. Emotional mutig.
Und nur eine WhatsApp-Nachricht davon entfernt, wieder im Jahr 1984 zu landen.
(Bilder: Screenshot, AdobeStock)


