Herzlichen Glückwunsch. Es ist der 2. Jänner und die »aber dieses mal wirklich« – Neujahrsvorsätze liegen bereits da, wo sie hingehören: neben den guten Absichten, den Fitnessclub-Abos von 2006 und dem Stapel „gesunde Ernährung leicht gemacht“-Kochbüchern.
Der Jahreswechsel dauert exakt so lange, bis der erste Alltag vorbeikommt und fragt, ob du wirklich geglaubt hast, ein Kalenderblatt hätte plötzlich Disziplin installiert. Spoiler: Hat es nicht. Du bist immer noch du. Nur mit leichtem Kater und einem vagen Schuldgefühl.
„Dieses Jahr mache ich alles anders.“
Natürlich. Und nächstes Jahr wird Rauchen gesund und E-Mails beantworten sich selbst.
Der 2. Jänner-Neujahrsvorsätze-Blues
Am 1. Jänner ist man noch ein neues Ich. Am 2. Jänner sitzt man wieder im alten Körper, mit alten Gewohnheiten und der Erkenntnis, dass Motivation kein Abo-Modell ist. Sie kommt nicht automatisch, nur weil Raketen in den Himmel geflogen sind und irgendwer „2026 wird unser Jahr!“ geschrien hat, während sie den billigen Rosé-Prosecco verschüttet.
Jetzt kommt der wichtige Teil: Du hast nichts verloren.
Du hast nur sehr schnell aufgehört, dir selbst etwas vorzumachen. Das ist kein Scheitern. Das ist Effizienz.
Neujahrsvorsätze sind keine Ziele, sie sind moralische Fanfiction. Du schreibst dir eine Version von dir selbst, die früh aufsteht, Salat liebt, regelmäßig Sport macht und sich freiwillig mit dem eigenen Innenleben beschäftigt. Diese Figur existiert nur auf dem Papier und in Coaching-Podcasts.

Was tun also, wenn am 2. Jänner alles vorbei ist?
Erstens: Hör auf, den Vorsatz zu beweinen. Er war von Anfang an tot. Ein Vorsatz ohne System ist nur ein Wunsch mit Kalenderbezug.
Zweitens: Mach es kleiner. Nein, noch kleiner. So klein, dass es fast lächerlich ist. Nicht „dreimal die Woche Sport“, sondern „Sportschuhe anziehen“. Nicht „gesünder leben“, sondern „ein Glas Wasser/ Woche trinken“. Große Pläne sind hervorragend geeignet, um nichts zu tun.
Drittens: Lass die Jahreszahl in Ruhe. Veränderung braucht keinen Jahreswechsel, nur Wiederholung. Der Körper kennt keine Kalender. Der kennt nur „machen“ oder „nicht machen“.
Und viertens, der unangenehme Teil: Wenn du etwas wirklich ändern willst, musst du akzeptieren, dass es langweilig wird. Kein Feuerwerk. Keine Transformation. Nur stumpfe Wiederholung. Genau daran scheitert fast alles.
Der 2. Jänner ist kein Beweis für dein Versagen. Er ist ein Realitätscheck. Und der ist wertvoller als jede Instagram-Grafik mit Schriftzug.
Also entspann dich. Iss ein Keks. Oder iss es nicht. Aber hör auf, dich selbst so zu behandeln, als wärst du ein kaputtes Projekt.
Die gute Nachricht: Das Jahr ist noch lang.
Die schlechte: Du auch.
(Bilder: AdobeStock)


