Man erkennt den Zustand der Welt daran, dass sie gerade von einem Mann mit der emotionalen Reife eines überzuckerten Dreijährigen geführt wird, der zufällig Zugriff auf Atomcodes hat und dabei so tut, als wären Geopolitik und Staatsführung ein Twitter-Thread mit Caps Lock: Donny Trump, der aktuelle US-Präsident. Der Titel klingt noch immer nach Verantwortung, Staatskunst, vielleicht sogar nach Restwürde. Die Realität sieht eher aus wie eine endlose Reality-Show, in der ein notorisch gekränkter Narzisst versucht, die Welt für seine Kränkungen bezahlen zu lassen.

Was derzeit aus dem Weißen Haus kommt, ist kein politisches Programm. Es ist eine psychologische Fallstudie mit Budget. Entscheidungen werden nicht getroffen, sie werden aus dem Bauch geschleudert. Diplomatie ist ersetzt durch Beleidigungen, Strategie durch Rachefantasien und Fakten durch das, was sich im eigenen Kopf (Anmerkung: des Präsidenten und seine Speichellecker) gerade gut anfühlt. Regierung per Stimmungslage. Außenpolitik als Trotzreaktion.

Und als ob geopolitische Pyrotechnik nicht reichen würde, hat der Präsident in seiner Freizeit mal eben den venezolanischen Präsidenten weggeschnappt, als wäre Maduro ein vergessener Pulli aus der Reinigung — und das alles unter dem Slogan „Rechtsstaatlichkeit, aber bitte mit Action-Figur-Edition“. Donny hangelt sich von Eklat zu Eklat wie ein Kleinkind an einer Zuckerpackung. Könnte schlimmer sein? Theoretisch ja. Aber aktuell wirkt es, als wäre es genau so geplant — nur ohne den Teil, in dem es Sinn ergibt.

Der Mann ist kein Mastermind. Er ist ein wandelnder Triggerpunkt.

Donny Trump sitzt im Oval Office und tut das, was alle erwarten bzw. befürchtet haben: Die Realität in Sponsorenpakete zu verpacken und internationale Normen wie alte Toilettenartikel wegzuwerfen. Jede Kritik wird als persönlicher Angriff verarbeitet, jede Gegenwehr als Verschwörung. Institutionen existieren nur, solange sie applaudieren. Medien sind Feinde, Gerichte Saboteure, Wissenschaft optional. Loyalität bedeutet Unterwerfung, Zweifel gilt als Hochverrat. Wer das für Stärke hält, sollte dringend sein Verhältnis zu autoritären Vaterfiguren überprüfen.

Das wirklich Erschreckende ist nicht sein Verhalten. Psychopathen in Machtpositionen sind kein neues Phänomen, sie sind nur selten so laut, so banal und so unfähig zur Selbstkontrolle. Erschreckend ist, wie viel Weltpolitik inzwischen davon abhängt, ob dieser Mann gut geschlafen hat, ob jemand etwas Nettes über ihn gesagt hat oder ob sein Ego gerade wieder blutet wie ein angeschossenes Reh.

Internationale Beziehungen werden behandelt wie Geschäftsdeals aus einer schlechten Coaching-Broschüre. Wer nicht kuscht, wird gedemütigt. Wer widerspricht, wird bedroht. Wer komplexe Zusammenhänge erklärt, gilt als elitär. Die Welt ist ein Casino, und er setzt immer alles auf Rot. Nicht aus Mut, sondern aus Unfähigkeit zur Reflexion.

Donny lässt militärische Optionen “prüfen”, während er lautstark davon fantasierte, Grönland zu kaufen, als sei es ein Ferienapartment mit Meerblick. Nicht irgendeine schräge Idee im Hinterzimmer – das wurde in den Medien und von Eliten weltweit als das beschrieben, was es ist: ein imperialer Fantasieverkauf, verpackt als PR-Stunt.

Während Demokratien mühsam Regeln, Prozesse und Gewaltenteilung pflegen, sitzt da jemand, der all das für lästig hält. „Checks and Balances“ sind für ihn keine Schutzmechanismen, sondern persönliche Beleidigungen. Der Rechtsstaat ist nur dann gut, wenn er ihm nützt. Alles andere ist Sabotage. So denkt kein Staatsmann. So denkt jemand, der Macht als emotionales Pflaster benutzt.

Und die Welt schaut zu, als sei sie in einem schlechten Theaterstück gefangen: die Requisiten sind echt, die Folgen sind real – und die Regie liegt in den Händen eines Mannes, der Politik in Marketing reduziert hat. Wenn das Politische zum Boulevard wird, verlieren die Menschen etwas, das sich nicht so leicht nachkaufen lässt: Vertrauen. Und ohne Vertrauen bleibt am Ende nur noch die Show.

Man kann darüber lachen. Man kann Memes machen, Late-Night-Monologe, ironische Tweets. Aber unter dem Zirkus liegt etwas sehr Kaltes: Ein Mann, der sich für unfehlbar hält, reagiert auf eine komplizierte Welt mit Aggression. Und Aggression in Kombination mit Macht ist nie harmlos. Sie ist nur solange unterhaltsam, bis sie Schaden anrichtet. Spoiler: Das tut sie bereits.

Zeichnung: der Kopf von Trump, der sich ärgert wie ein kleines Kind, Stichwort Geopolitik.
(c) gfk DSGN from Pixabay
Erschreckend ist, wie viel Weltpolitik inzwischen davon abhängt, ob dieser Mann gut geschlafen hat, ob jemand etwas Nettes über ihn gesagt hat oder ob sein Ego gerade wieder blutet wie ein angeschossenes Reh.

Geopolitik mit Anlauf in den Abgrund

Der Wahnsinn, der aktuell von diesem Präsidenten ausgeht, ist kein Ausrutscher. Er ist das logische Ergebnis einer Kultur, die Lautstärke mit Stärke verwechselt, Kränkung mit Wahrheit und Ego mit Führung. Der Mann ist kein Unfall der Geschichte. Er ist ihr Symptom. Ein besonders peinliches, aber leider hochgefährliches.

Die Tragödie ist nicht, dass so jemand Präsident wurde. Die Tragödie ist, dass die Welt sich daran gewöhnt.

Wenn sie jetzt denken: „Na gut, wo ist die Lösung?“, dann ist die Antwort so banal wie schmerzhaft: informieren, organisieren, aufklären – und die Mechanismen hinter den Schlagzeilen angreifen. Die Demokratisierungsmaschine hat noch Zahnräder; jemand muss anfangen, sie wieder zu schmieren statt sie als Bühnendeko zu benutzen.

(Bilder: Vilius Kukanauskas from Pixabay; gfk DSGN from Pixabay)

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